Behandlung

Anamnese

Die klassische homöopathische Behandlung beginnt mit der Erfassung der individuellen Krankengeschichte (Anamnese), die – vor allem bei chronischen Erkrankungen – unter Umständen länger dauern kann. Im Normalfall erstreckt sich eine chronische Anamnese über 1,5 – 2 Stunden.

Nach dem Spontanbericht des Patienten stellt der homöopathische Therapeut spezifische Fragen zu den aktuellen körperlichen Symptomen und zur Krankheitsgeschichte, legt aber auch hohen Wert auf genaue Informationen zur geistig-seelischen Verfassung des Patienten, zur Lebens- und Familiengeschichte, erblichen Belastungen sowie zu Lebensumständen. Alle Informationen werden bei der Wahl des Mittels und Verordnung berücksichtigt. Deshalb ist es hilfreich alle medizinischen Unterlagen, wie beispielsweise Laborwerte, Impfpass, Vorsorgehefte, zum Ersttermin mitzubringen.

Ein Beispiel aus der täglichen Praxis: Asthma bronchiale

Unter dieser chronischen Krankheit leiden heute mehr als drei Millionen Bundesbürger. Psychosomatische Störungen und Allergien sind oftmals die Ursachen. Die klinische Diagnose Asthma bronchiale ist schnell gestellt. Anfälle von Atemnot, Verengung der Bronchien und Herzschwäche als Folgeerscheinung kennzeichnen das allgemeine Krankheitsbild.

Das allgemeine Krankheitsbild stimmt bei allen Asthmatikern überein. Ihre persönlichen Krankheitsbilder unterscheiden sich aber erheblich voneinander. Bei einem Patienten tritt die Atemnot bevorzugt nachts auf, bei einem anderen am frühen Morgen oder am Nachmittag. Manch einer verträgt die Sonne nicht, andere leiden bei Regenwetter verstärkt unter Asthmaanfällen. Mal sind es heiße, mal kalte Getränke, die einen Hustenkrampf lindern. Geschäftssorgen liegen dem einen schwer auf der Brust; einem anderen hat privater Kummer den Atem verschlagen.

Sie sehen: die gleiche klinische Diagnose – Asthma bronchiale –, aber ganz verschiedene individuelle Krankheitsbilder. Darum verordnet der homöopathische Behandler zehn Asthmatikern, also Patienten mit der gleichen klinischen Diagnose, unter Umständen verschiedene Arzneimittel.

Die Individualsymptome, beispielsweise wie sich die Atemnot des einen von der eines anderen Patienten unterscheidet, sind in der Homöopathie der Schlüssel zur richtigen Arznei. Das ist therapeutisch gesehen Grund genug, sich für jeden Patienten ausreichend Zeit zu nehmen, denn den passenden Schlüssel, die persönlichen Merkmale eines Krankheitsbildes, findet der Behandler nur im ausführlichen Gespräch mit dem Kranken.

Verschiedene individuelle Krankheitsbilder machen unterschiedliche homöopathische Arzneiverordnungen notwendig. Nur ein Arzneimittel stimmt mit den jeweiligen Individualsymptomen des Patienten überein.

Verordnung

Anschließend an die Anamnese erfolgt die Ausarbeitung und Verordnung des zu dem Patienten und seinen individuellen Beschwerden passenden homöopathischen Arzneimittels – seines Konstitutionsmittels. Auch Potenzhöhe und Dosierung der homöopathischen Arznei werden individuell an den Krankheitszustand des Patienten angepasst.

Folgetermin

Bei einem üblichen Therapieverlauf sollte der Patient nach ca. 2 Wochen anrufen und kurz sein Befinden schildern. Bei einer Akutbehandlung erfolgt die Rücksprache bereits nach Stunden. Es wird empfohlen, sich in dieser Zeit Notizen zu machen zu neu aufgetretenen Symptomen/Beschwerden oder zu Symptomen, die auf dem Weg der Besserung sind. (z.B. ein Schmerz ist nicht mehr ausstrahlend, sondern „nur“ noch lokal vorhanden; Kopfschmerz verschwunden; der Schlaf ist deutlich verbessert; alte Symptome, die wieder auftauchen; Ausscheidungsreaktionen wie Durchfall, Erbrechen)

Nach 4-6 Wochen wird ein Folgetermin von ca. 30 Minuten vereinbart. Hier wird die Wirkung der Arznei überprüft und die weitere Vorgehensweise besprochen. Ziel der Behandlung ist, dass nicht nur die lokalen Beschwerden gebessert werden, sondern das Wohlbefinden insgesamt, wie beispielsweise Schlaf, Leistungsfähigkeit, Stimmung, und damit die Lebensqualität gesteigert werden und die Schaffenskraft zunimmt.

Dauer der Behandlung

Bei akuten Beschwerden kann die Besserung sehr schnell, in Minuten, Stunden oder wenigen Tagen, erfolgen.

Bei chronischen Beschwerden, die schon seit Jahren bestehen, ist eine geduldige und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Patient und Therapeut wichtig. Je länger eine Krankheit besteht, desto mehr Zeit benötigt auch die Heilung.

Es ist wichtig für den Erfolg der Behandlung, dass der Therapeut über körperliche und seelische Veränderungen unterrichtet wird. Hierfür sind regelmäßige Telefonate und Folgetermine notwendig.